In meiner Coaching-Tätigkeit erlebe ich immer wieder, dass Stress ein zentrales Thema ist, mit dem Menschen zu mir kommen.
In diesem Artikel stelle ich die fünf häufigsten Stressquellen des Berufsalltags vor, die regelmäßig in den Coachings als Einflussfaktoren benannt werden.
Das Statistische Bundesamt führte 2020 eine Umfrage mit der Fragestellung: "Wie hoch ist der Anteil der Erwerbstätigen, die durch Belastungen am Arbeitsplatz einer Gefährdung des psychischen Wohlbefindens ausgesetzt sind?" durch, kam dabei auf 25% und bestätigt damit die Angaben meiner Klienten. (hier findest du weitere Informationen zur Umfrage)
1. Wenn Pausen fehlen, wird Stress zum Dauerzustand
Dauerstress entsteht, wenn mentale und oder körperliche Pausen im Berufsalltag fehlen. Denn Körper und Geist sind dadurch in ständiger Anspannung. Würde man sich Pausen erlauben, die wirklich genutzt werden, ohne dass man in dieser weiter über die Arbeit nachdenkt, würde man schon nach wenigen Minuten wieder klarer an sein Tagewerk gehen können. Und körperlich? Nun auch hier gilt, Pausen sind wichtig, um seinem Körper die Möglichkeit der Regeneration zu geben.
Doch warum nimmt man sich keine Ausszeiten?
Nun ja, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Da ist es zwar schön, wenn wir von Work-Life-Balance sprechen. Doch helfen tut uns das nicht, wenn wir nicht von kleinauf gezeigt bekommen, wie echtes Pause machen geht. So kann allein der Gedanke, Pausen machen zu müssen, zusätzlichen inneren Druck erzeugen, da ein innerer Konflikt zwischen Pflichtgefühl und dem eigenen Bedürfnis nach Erholung besteht.
Ich selbst kenne diesen inneren Konflikt und habe meine Erfahrung damit in dem Artikel "#metime - Fluch oder Segen?" verbloggt.
2. Verzettelung: Wenn alles wichtig scheint
Dauerstress entsteht, wenn man dazu neigt sich zu verzetteln, da dann keine Klarheit über die Ausrichtung des eigenen Tuns vorhanden ist. Damit meine ich, dass man sich häufig mit vielen Baustellen und Aufgaben konfrontiert sieht, deren Wichtigkeit und Dringlichkeit von außen vorgegeben werden. Der Kunde will jetzt eine Lösung. Der Chef erwartet eine Ausarbeitung zu einem umfangreichen Thema, natürlich bis gestern. Die Kollegen brauchen Unterstützung, um in ihrer Arbeit selbst weitermachen zu können. Und oft kommt man schon nicht sorgenfrei bei der Arbeit an.
Wie kommt es zur Verzettelung?
Wer es nicht gelernt hat, selbst abwägen zu können, was:
- dringlich und was wichtig ist
- von einem selbst getan werden muss und was delegiert werden kann
- zu springen, wenn er gerufen wird
- auf den emotionalen Druck von Außen eigenen emotionalen Druck in sich aufzubauen
der ist nicht in der Lage ruhig und gelassen zu entscheiden, was wann und wie und von wem zu tun ist.
3. Wenn unsachliche Gespräche geführt werden, steigt der Stresspegel
Schnell rutschen Gespräche in den unsachlichen Bereich. Selbst bei simplen Aufgaben ist dadurch kaum noch an eine Lösung zu denken. Die Aufgabe wird zum Problem.
Was führt zu unsachlichen Gesprächen?
Unsachliche Gespräche führt man, wenn man sich persönlich angegriffen sieht. Dann muss man sich Respekt erstreiten oder den anderen von seinem Unrecht überzeugen.
Man spricht zwar noch von der eigentlichen Sache, aber die Argumentation ist dann von Überzeugungen, wie:
- "Der andere will mir komisch kommen."
- "Ich muss mich beweisen."
- "Ich weiß es besser."
- "Der andere hat ja keine Ahnung."
- "Dem zeige ich es aber."
- "Mit mir nicht."
eingefärbt. Und das Streitgespräch hallt in einem noch lange nach, da es emotional war. Was wiederum dazuführt, dass innerlich zur Ruhe zu kommen, sehr schwert ist.
4. Dauerstress beginnt dort, wo der Körper regelmäßig übergangen wird
Wenn die Verbindung zum eigenen Körper fehlt, kann nicht realisiert werden, wann der berufliche Alltag beginnt stressig zu werden. Es wird dann womöglich nur allgemein wahrgenommen, dass man häufig mit Zipperlein zu tun hat oder dass man sich generell unwohlfühlt. Doch diese Feststellung baut nicht vor, sondern wird nachträglich reflektiert.
Warum fehlt die Körperwahrnehmung?
Wenn die Körperwahrnehmung fehlt, ist dies meist auf ein Sein im Kopf zurückzuführen.
'Geist schlägt Körper' heißt es. Das ist positiv wie negativ möglich. Bei Stress eher Letzteres, denn der Körper kann schon längst Alarmsignale, wie :
- Kopfdrücken,
- Blähungen,
- Rückenziehen oder
- simple Verspannungen aussenden,
solange der Verstand entscheidet, was zählt, wird man diese Signale entweder
- ignorieren,
- wegdrücken oder
- gar nicht realisieren.
5. Angst als stiller Stressverstärker im Berufsalltag
Fehlt der Abstand zu möglichen Ängsten, baut man sich durch mentale Anspannung emotionalen Druck auf, den man durch Aktivität loswerden will. Dies führt nicht nur zur Überforderung, sondern auch zum berühmten Fight-or-Flight-Modus, der einen in Atem hält und damit Dauerstress provoziert. Diese Ängste müssen nicht nur beruflicher Natur, wie Angst vor Kündigung, wirtschaftliche Lage, Mobbing etc. sein , sondern werden auch durch die Nachrichten, Social Media und der eigenen Persönlichkeitsstruktur befeuert.
Was ist die Ursache von Angst?
Jeder macht Erfahrungen. Je eindrücklicher sie sind, um so intensiver "brennen" sie sich in unser Gedächtnis ein. Kommen wir nun in eine Situation, die uns an eine unangenehme Erfahrung erinnert, werden wir alles Mögliche tun, um vermeiden zu können, dass wir wiederholt "in der Falle sitzen".
So hat es die Natur eingerichtet und uns evolutionär gesehen überlebensfähiger gemacht. Was uns jedoch meist nicht bewusst ist, dass wir Situationen nicht nach dem tatsächlichen beurteilen, sondern eben aufgrund persönlicher Prägungen.
Es ist also der Abgleich von Ist-Situation und Erinnerung, die zur Angst führt und nicht die augenblickliche Situation an sich, die uns reaktiv handeln lässt. Somit ist Angst ein emotionaler Gedanke und kein Gefühl. (Lies gern meinen Artikel "Angst oder Furcht", wenn du erfahren willst, wann du wirklich kämpfen oder flüchten solltest)
Womit kommt man aus dem Dauerstress raus?
Wer aus dem Teufelskreis des Dauerstress austreten will, darf nicht erwarten, dass das Umfeld anders wird, sondern muss oder vielmehr kann es selbst in die Hand nehmen.
Denn alle fünf genannten Einflussfaktoren, können dich nur beeinflussen, wenn du im Berufsalltag auf Autopilot unterwegs bist.
Dies passiert, wenn du gedanklich bei gestern und morgen und nur körperlich in der Gegenwart bist. Die Achtsamkeitspraxis ist eine gute Möglichkeit, um im Hier und Jetzt zu sein. Doch reicht sie allein nicht aus, denn du musst ja handlungsfähig sein. Und das gelingt dir am besten, wenn du auch verstehst, was in dir abläuft und wozu.
Deshalb besteht der Gruppenkurs Jobbalance im Shanta-Yoga-Studio Leipzig nicht nur aus Übungen aus dem MBSR, sondern auch aus Lerneinheiten
- zur gewaltfreien Kommunikation,
- mentale Klarheit behalten können und
- Selbstreflexion.
In den Einzelcoachings ist dies eine gute Kombination, damit meine Klienten ihre Anliegen gut gelöst bekommen. Durch die Dynamik der Gruppe kann zudem sehr viel sichtbar werden, da der Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls einen stressärmeren Berufsalltag anstreben, den Zugang zur eigenen Einsicht fördert. Sei doch gern dabei.
Herzlichst Cornelia

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